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Personal Light

Katalogtext von Reinhard Spieler

Daniel Hausigs Installation besteht aus einzelnen etwa 30 Meter langen Leuchtbändern, die in unregelmäßigen Spiralformen am Boden liegen. Ihre anschauliche Gestalt scheint auf den ersten Blick in der Tradition der abstrakten Skulptur der Arte Povera oder der Minimal Art aus den 70 er Jahren zu stehen. Auch die Art und Weise der Präsentation unterstreicht diesen Eindruck: Lapidar und ohne Sockel liegen die Bänder direkt auf dem Boden.

Die Wirkung wird zunächst einmal durch die Verbindung von Form, Licht und Raum dominiert. Diese spezifische Konstellation spielte auch schon in früheren Arbeiten Hausigs eine wichtige Rolle: so zum Beispiel im "Boxenstop", einer Arbeit, die für den Lichtparcours in Braunschweig 2000 entstand. "Boxenstop" wirkt von der Ferne wie ein zweidimensionales Lichtbild; je näher man kommt, desto mehr tritt ihr dreidimensionaler Charakter in den Vordergrund und entpuppt sich schließlich als begehbarer Lichtraum, der allerdings wiederum als Rahmen für den Blick auf die Natur fungieren kann.

An der Grenze zwischen Fläche und Raum bewegt sich auch die Flexible Sonnenbank. Die Lichtbänder wirken zunächst in ihrer flächigen Struktur, definieren sich aber auch durch die spiralförmige Anordnung und die diffuse Licht-Abstrahlung im Raum. Oberfläche und Material verschmelzen in der Präsenz des Lichts und bilden Farbräume ganz eigener Art.

Daniel Hausig versucht in seiner Arbeit, den immateriellen Strom begreifbar und sichtbar zu machen. Er hat dafür ein spezielles technisches Verfahren entwickelt, Farbpigmente durch elektrische Energie zum Leuchten zu bringen. Die eingesetzten Elektrolumineszens-Bänder sind Siebdrucke, die unter Strom gesetzt werden. Die Faszination der Elektrolumineszenz liegt in dem sanften Leuchten, das von ihr ausgeht. Es ist kein Lichtstrahl, der die Umgebung hell erleuchtet, sondern ein Leuchten aus sich selbst heraus.

Neben jeder Spirale steht ein Werkzeugkoffer, der die benötigte Elektronik enthält, um den 230 Volt Strom aus der Steckdose in für die Leuchtbänder nutzbaren Strom umzuwandeln. Die zugeführte Energie wird transformiert und über die Leuchtbänder ästhetisch verarbeitet.

Diese Transformator-Einheiten versteht Daniel Hausig als transportablen Werkzeugsatz, mit denen er integrative Handlungen vollziehen kann.

Über die formale Wirkung der Spiralbänder hinaus, erweitern die Werkzeugkoffer das Bedeutungsspektrum der Skulptur um die Dimension ihres Kontextes, also ihrer veränderlichen Gestalt für den Transport, ihres unterschiedlichen Einsatzpotentials und ihrer Einsatzorte.

Wie unterschiedlich diese Einsatzmöglichkeiten sind, zeigen die Fotografien, die Hausig zusammen mit den Leuchtbändern präsentiert. Sie dokumentieren den Einsatz als Flexible Sonnenbank. Dabei geht es um die damit Fragen der Wahrnehmungs- und Erlebnisfähigkeit. Was stellen Licht und Farbe mit dem Körper an? In den Fotografien wird das Leuchtband im einen Körper gewickelt. Der Körper wird mit einem Lichtraum versehen, gleichzeitig enthüllt und verhüllt, ins Licht gesetzt und dahinter verborgen. Von seiner Umwelt abgesondert, in eine andere Sphäre versetzt , erscheint er geborgen in einem energiereichen, lichterfüllten Feld. Die Leuchtbänder verwandeln dabei nicht nur den Körper, sondern vollziehen selbst eine Metamorphose von der abstrakten Bodenskulptur zum Personal Light.


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Kunsthaus Hamburg, 2001